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11.-13. Juli 2008: Grossraumchasing Ost-F / CH / Nord-I

Freitag, 11. Juli 2008

Gestern Freitag starteten wir (Dominic, Michelle, Silas, Gregory, Andreas und ich) unser Chasing um die Mittagszeit inm bernerischen Kerzers. Nach kurzem Nowcasting war klar, dass wir noch ein paar Stunden Zeit haben würden, ehe sich die ersten Zellen der vorlaufenden Konvergenz über dem Jura entwickeln sollten. Also machten wir kurz einen Abstecher nach Muntelier (FR) zum Beach House, welches direkt am Murtensee gelegen ist. Dort assen wir erstmal einen Happen und chillten friedlich in der brutzelnden Sonne.

Kurz nach 14 Uhr beobachteten wir die ersten grösseren Quellungen über dem Jura. Auch auf der Satellitenbildanimation war ersichtlich, dass es nun sukzessive entlang des französischen Juras auslöste. Die Zellen wuchsen schnell in die Höhe, vor allem die nördlichste. Sie war für uns aber bereits zu nördlich (nachjagen beinahe sinnlos) und ausserdem erwarteten wir die stärkste Entwicklung der Konvergenz an dessen südlichstem Ende (sog. "Tail-end Charlie"). Also liessen wir diese erste Zelle ohne grossen Wehmut ziehen. Wie sich später herausstellen sollte, entwickelte sich diese bald darauf zu einer Unwetterzelle, welche vor allem zwischen Basel und Schaffhausen zu Hagel und Windbruch führte.

Wir warteten also noch etwas ab und beobachteten mit Argusaugen die Satellitenbildanimation. Dann endlich, entwickelte sich über Südostfrankreich beinahe explosionsartig eine Gewitterzelle, welche für uns eine optimale Zugrichtung aufzuweisen schien (Richtung Genfersee). Also fuhren wir gleich mal los in Richtung Lausanne, um rechtzeitig nach einem geeigneten Standort Ausschau halten zu können.

Doch soweit kamen wir erst gar nicht: Auf halber Strecke entwickelte sich gleich westlich von uns eine interessante Gewitterzelle. Auf einer leicht erhöhten Wiese bei Oulens-sous-Echallens (VD) legten wir denn auch unsere erste Foto- und Videosession ein.

Die Zelle hatte an der Aufwindbasis eine schöne Wolkenabsenkung und Flanking Line, machte aber keine Anstalten, sich zu einer Superzelle zu entwickeln. Trotzdem: Schon mal ein guter Anfang dachten wir und fuhren in der Folge mit ihr mit, zumal sich "unsere" Zelle(n) aus Frankreich offenbar noch Zeit liess(en). Auf dem Weg nach Norden kamen wir dem Zellkern immer näher und kurz vor Estavayer-le-Lac streiften wir dann schliesslich den durch heftige Windböen begleiteten Abwind. Der Outflow und die Sicht auf den weissen Niederschlagscore waren schon sehr beeindruckend und machten Lust auf mehr. Wir fuhren um die Zelle herum, um sie bei Estavayer-le-Lac abfangen zu können. Doch als wir dort ankamen, hatte die Zelle bereits stark an Intensität abgenommen und war nur noch schwach blitzaktiv.

Beim Blick aufs Radar stellten wir ernüchtert fest: Die Post ging wo anders ab. Eine der Zellen, deren Entwicklung wir am frühen Nachmittag von Muntelier (FR) aus mitverfolgen konnten, entwickelte sich später zu einer Unwetterzelle (Sturmschäden westlich von Schaffhausen) und saugte offenbar allen umliegenden die Energie weg. Was noch auf uns zukommen sollte, war zwar immerhin elektrisch, aber doch eher "Wischi-Waschi"..

Dennoch: Die Zellproduktion über Frankreich lief ohne Unterbruch weiter und so beschlossen wir, Richtung Genfersee zu fahren, um wenigstens am Abend in einer guten Ausgangsposition zu sein für die allenfalls letzten blitzreichen Gewitter, welche aus Südwesten hereinziehen würden.

Stimmungsbilder auf dem Weg nach Süden:

Bei Lutry (VD), knapp östlich von Lausanne, fanden wir gegen 21 Uhr einen optimalen Platz direkt an einer Schiffsanlegestelle und warteten dort nun auf die Blitze.

Aber die kamen nur sehr zögerlich und vereinzelt: Mal einer im Osten, mal einer im Süden, mal einer im Westen. So zögerlich, dass uns kein einziger Blitz ins Netz ging. Highlight war allerdings die Beobachtung eines CG's mitten in den Genfersee, kurz bevor uns der Niederschlagsvorhang erreichte und uns zum Abbrechen der Zelte zwang. Nun war definitiv aus die Maus und so machten wir uns wieder auf den Heimweg.

Videos später...

(c) Christian Matthys, 2007-2008